Was
man über Wurmerkrankungen wissen sollte
von
Barbara Ranthum
Magen-
und Darmwürmer sind Endoparasiten, die in den Wirtstieren auf deren Kosten
leben. Sie schädigen die Tiere durch Verletzungen, Nährstoff- und Blutentzug
sowie durch Stoffwechselgifte. Je nach Befallstärke und Wurmart einerseits,
Alter, Gesundheitszustand und Widerstandskraft des Wirtstieres andererseits, können
verringerter Impfschutz, Entwicklungsstörungen, Krankheiten (z.B. immer
wiederkehrender Durchfall) und sogar Todesfälle die Folge sein.
Nicht
nur Katzen sind durch Wurmbefall gefährdet, sondern unter Umständen auch der
Mensch. Von der Katze ausgeschiedene, ansteckungsfähige Larven werden vom
Menschen, insbesondere von Kindern, die in engem Kontakt mit Katzen leben,
aufgenommen.
Die
Larven können zwar im "Fehlwirt Mensch" ihren Entwicklungszyklus
nicht abschließen, die Wanderung durch den menschlichen Körper kann jedoch
zu Gewebeschädigungen, unspezifischen Lungenentzündungen und Sehstörungen führen.
Mit
den Kotuntersuchungen in der tierärztlichen Praxis ist der Wurmbefall einer
Katze leider nur bedingt nachweisbar. Das negative Ergebnis einer
Kotuntersuchung besagt nämlich nur, daß zum Untersuchungszeitpunkt keine
Wurmeier gefunden wurden, nicht aber, daß kein Wurmbefall vorliegt. Eine
weitere, nur wenige Tage später vorgenommene Untersuchung kann ein völlig
anderes Ergebnis bringen, wenn inzwischen herangewachsene Wurmweibchen mit der
Eiablage begonnen haben. Im Körper der Katze wandernde oder vorübergehend
abgekapselte Larven, die noch nicht geschlechtsreif sind und daher noch keine
Eier legen können, sind folglich mit einer Kotuntersuchung, die immer auf dem
Nachweis von Wurmeiern beruht, nicht nachweisbar. Nach negativem
Untersuchungsbefund empfiehlt es sich daher, Kotuntersuchungen in regelmäßigen
Abständen wiederholen zu lassen. Aber nicht immer ist eine Kotuntersuchung
notwendig. Bei einem massiven Spulwurmbefall kann die Diagnose manchmal
auch schon ohne Kotuntersuchung gestellt werden. Die etwa fingerlangen Spulwürmer
sind im Kot bei etwas Aufmerksamkeit leicht zu entdecken. Es kann sogar
vorkommen, daß die verwurmte Katze Spulwürmer erbricht. Kleine
reiskornartige, gelblich-weiße oder rötliche Gebilde im Kot der Katzen
bedeuten mit sehr großer Wahrscheinlichkeit Bandwurmbefall. Recht häufig
bewegen sie sich noch an der Oberfläche des Häufchens. Es handelt sich dabei
um einzelne, mit Eiern bepackte Bandwurmglieder.
Spul-
und Hakenwürmer sind die häufigsten Parasiten der Katze. Die häufigste
Ansteckungsmöglichkeit der Katzenwelpen besteht in der Aufnahme von
Wurmlarven mit der Muttermilch. Weitere Infektionsmöglichkeiten bestehen im
Auflecken von Spulwurmeiern bzw. Hakenwurmlarven aus der Umwelt bzw. aktivem
Einbohren von Hakenwurmlarven durch die gesunde Haut. Aus den Spulwurmeiern
entschlüpfen im Darm Larven, die sich durch die Darmwand hindurchbohren und während
der Körperwanderung ihre Entwicklung zu geschlechtsreifen Würmern
fortsetzen.
Aufgeleckte
Hakenwurmlarven entwickeln sich im Darm direkt zu geschlechtsreifen Würmern.
Ein kleiner Teil dieser Larven bohrt sich jedoch auch durch die
Mundschleimhaut ein und beginnt mit der Körperwanderung.
Während
im Körper von erwachsenen Katzen wandernde Larven schließlich abgekapselt
werden, gelangen über die Haut in Katzenwelpen und Jungkatzen eingedrungene
Larven nach der Körperwanderung über Lunge, Luftröhre und Speiseröhre in
den Magen-Darm-Trakt zurück. Im Darm angelangte Larven wachsen in kurzer Zeit
zu geschlechtsreifen Würmern heran und die Weibchen beginnen mit der
Eiablage. Hakenwurmweibchen können bis zu 20000 Eier, Spulwurmweibchen
sogar bis zu 200000 Eier pro Tag legen, die mit dem Kot ins Freie
gelangen. Die Spulwurmeier sind bis zu 2 Jahren lebensfähig und die aus
den Hakenwurmeiern geschlüpften Larven können auch in der freien Umgebung
monatelang überleben. Werden Spulwurmeier bzw. Hakenwurmlarven von Katzen
aufgenommen oder durchbohren aktiv die gesunde Haut, so beginnt der
Wurmkreislauf von Neuem.
Von
besonderer Bedeutung ist die folgende Erkenntnis: Durch hormonelle Einflüsse
während der Trächtigkeit der Katze wird ein Teil der in der Katze vorübergehend
abgekapselten Hakenwurm- und Spulwurmlarven veranlasst, seine Wanderung
fortzusetzen. Vor der Geburt endet diese Wanderung zunächst in den Milchdrüsen.
Nach der Geburt gelangen die Larven dann mit der Milch schließlich in den
Darm der Welpen. Dort wachsen sie schnell zu geschlechtsreifen Würmern heran,
und die Weibchen beginnen mit der Eiablage. Das Larvenreservoir, das durch
eine einzig Infektion der Kätzin entstanden ist, reicht aus, mehrere
aufeinanderfolgende Würfe zu infizieren. Es ist also dafür Sorge getragen,
daß praktisch jeder Katzenwelpe schon kurz nach der Geburt mit Spul- und
Hakenwürmern befallen ist. Die erste Behandlung der Katzenwelpen muß also so
früh wie möglich erfolgen. Spätesten in der zweiten Lebenswoche, weil zu
diesem Zeitpunkt die ersten mit der Muttermilch aufgenommenen Hakenwurm- und
Spulwurmlarven im Welpendarm herangewachsen sind. Zu diesem Zeitpunkt können
sie von einem modernen Wurmmittel erfaßt und getötet werden, bevor sie die
Geschlechtsreife erreichen und mit der Eiablage beginnen. Da während der Säugeperiode
täglich weitere Larven mit der Muttermilch aufgenommen werden, sollten regelmäßige,
wöchentliche Entwurmungen der Katzenwelpen bis 2-3 Wochen nach dem
Absetzen vorgenommen werden. Sollten danach noch vermehrte Ansteckungsmöglichkeiten
bestehen (z.B. Zugang zu mit Wurmeiern infiziertem Kot), sind für die Zeit
des erhöhten Infektionsrisikos die Entwurmungen in 14-tägigem Abstand
fortzusetzen. Besondere Sorgfalt muß der Entwurmung der Kätzin gelten, da
sie, wie schon gesagt, das Infektionsreservoir für die Welpen darstellt. Um
die Möglichkeit einer Infektion mit Haken- bzw. Spulwurmeiern möglichst
gering zu halten, sollte man die säugende Katze von der 2. bis zur 10. Woche
in 14-tägigen Abständen zusammen mit ihren Welpen entwurmen. Das besondere
Infektionsrisiko für die Kätzin besteht in Wurmlarven, die ursprünglich mit
ihrer Milch in die Welpen gelangten, sich im Welpendarm aber nicht festsetzen
konnten, wieder ausgeschieden und von der Kätzin beim Reinigen der Welpen
aufgeleckt werden.
Außerhalb
der Säugezeit reichen auch bei der Kätzin wie bei allen Katzen ab der 13. Lebenswoche,
gute Hygiene vorausgesetzt, regelmäßige vierteljährliche Entwurmungen aus.
Bei älteren Katzen kommt es infolge einsetzender Immunität bzw. Aufbau von
Abwehrkräften nur noch seltener zu sehr starkem Befall mit Haken- bzw. Spulwürmern.
Außer
den bisher behandelten Würmern gibt es auch verschiedene Bandwurmarten, die
unsere Katzen befallen können. Allen gemeinsam ist, daß sie als
ausgewachsene Parasiten im Darmtrakt der Katze leben. Für ihre Entwicklung
vom Ei über Larve (Finne) zum geschlechtsreifen Bandwurm brauchen sie aber
andere Tiere, sog. Zwischenwirte. Einige Bandwurmarten brauchen als
Zwischenwirte Mäuse, andere Flöhe und Haarlinge. Typische Infektionsquellen:
rohes Fleisch, roher Fisch. Der vor allem in städtischen Gebieten häufigste
Bandwurm ist der "Kürbiskernbandwurm". Er wird durch Flöhe und
Haarlinge übertragen. Die Katzen infizieren sich, wenn sie die Flöhe zerbeißen
und hinunterschlucken. Man sollte also nicht nur die Bandwürmer, sondern
gleichzeitig auch den Flohbefall bekämpfen.
Da
sich die Katzen nach einer Behandlung ständig neu infizieren können, sofern
sie nicht nur im Haus gehalten werden, und nicht nur gekochtes Futter
bekommen, sollte die Behandlung vierteljährlich mit einem geeigneten Mittel
wiederholt werden.
In
sehr seltenen Fällen kann die Katze sogar einen Bandwurm beherbergen, der für
den Menschen eine tödliche Gefahr darstellt (Echinococcus multilocularis).
Diese Tiere sind winzig klein (der ganze Bandwurm misst nur 1,5-3,5 mm)
und rufen bei der Katze kaum Erkrankungen hervor. Zwischenwirte sind Feldmäuse;
insofern kommen nur Katzen mit Jagdgelegenheit in Frage. In Deutschland wurden
diese Parasiten nur ganz vereinzelt nachgewiesen, so daß kein Grund zur Panik
besteht.
Zum
Schluß nur noch eine Anmerkung: Bei allen Wurmerkrankungen sollte man den
Tierarzt einschalten. Nur er kann letztlich den genauen Befund liefern und ein
geeignetes Präparat verordnen. Nicht jedes Präparat wirkt auf jede Wurmart
und ein falsches Präparat führt zu einem unzureichenden Behandlungserfolg.
Quellenangaben:
(Quelle : http://www.hkcev.de)