Toxoplasmose - Gefahr für den Menschen durch die Katze?

Toxoplasmose- ein Schreckenswort für manch schwangere Katzenbesitzerin, der nahegelegt wurde, sich von ihrem geliebten Tier zu trennen, um das ungeborene Kind nicht zu gefährden. Was ist Toxoplasmose, wie wird Sie übertragen, welche Krankheitserscheinungen bestehen bei Mensch und Tier und wie kann man sich schützen - das sind die Themen diese Artikels.

Ein winziger Erreger mit einem komplizierten Entwicklungsszyklus

Der Erreger der Toxoplasmose, Toxoplasma gondii, ist ein nur aus einer einzigen Zelle bestehender Parasit, der weltweit bei vielen Wirbeltieren und dem Menschen vorkommt. Bei seiner Entwicklung unterscheidet man einen Zwischen- und einen Endwirt. Der einzige bekannte Endwirt ist die Katze (und Katzenartige, in Europa z. B. Luchs und Wildkatze), die bei der Verbreitung der Infektion eine Schlüsselrolle einnimmt. Sie infiziert sich durch das Fressen von Beutetieren oder die Fütterung von rohem Fleisch, in denen/dem Toxoplasma-Zysten (siehe unten) enthalten sind. Nach unterschiedlichen Vermehrungszyklen, die etwa 3-9 Tage dauern, scheidet die Katze mit dem Kot ca. 1 - 14 Tage lang widerstandsfähige Dauerstadien, die sogenannten Oozysten aus. Diese werden erst nach 2-4 Tagen bei ausreichender Sauerstoffzufuhr, Feuchtigkeit und Temperatur durch eine Art Reifung (,,Sporulierung") infektionstüchtig. In Abhängigkeit von den Umweltbedingungen können sie dann bis zu mehreren Jahren überleben. Infiziert sich ein Zwischenwirt (Mensch, viele Wirbeltiere, auch die Katze) durch die Aufnahme von Oozysten, findet eine ungeschlechtliche Vermehrung statt, in deren Verlauf sich vorwiegend in der Muskulatur und dem Gehirn des Zwischenwirtes Zysten entwickeln. Bei der Katze, die ja gleichzeitig auch Endwirt ist, kommt es zusätzlich wiederum zur Ausscheidung von Oozysten, über die die Toxoplasmose weiterverbreitet wird.

Toxoplasmose bei der Katze

Die Erkrankung kann Katzen jeden Alters betreffen und akut oder chronisch verlaufen. In vielen Fällen bleibt sie weitgehend symptomlos. Vor allem wenn die Katze selbst Zwischenwirt ist (siehe oben), können Krankheitszeichen von Futterverweigerung, Fieber, Atemnot, Leberschäden und Augenveränderungen bis zu zentralnervösen Symptomen auftreten. Schwere, auch tödliche Krankheitsverlaufe werden meist nur bei Neugeborenen beobachtet, die sich schon im Mutterleib (dritte Ansteckungsmöglichkeit für die Katze) mit diesem winzigen Parasiten des infiziert haben. Die Ausscheidung von Oozysten wird vor allem bei jungen Katzen gelegentlich von Durchfall begleitet. Hat sich eine Katze einmal mit Toxoplasma gondii angesteckt, entwickelt ihr Körper Abwehrstoffe (Antikörper) dagegen und spezialisiert bestimmte Zellen des Immunsystems auf den Erreger. Dadurch kommt es beim nächsten Kontakt mit Toxoplasma gondii dann nur noch bei etwa einem Zehntel der Katzen zur Ausscheidung von Oozysten. Einen vollständigen Schutz gegen die Toxoplasmose erlangen die Tiere jedoch nicht. Auch ist es nicht ganz ausgeschlossen, daß eine nur einmal infizierte Katze zu einem späteren Zeitpunkt erneut Oozysten mit dem Kot ausscheidet.

Das Problem mit der Diagnose

Die Oozysten im Katzenkot lassen sich durch eine einfache Kotuntersuchung nachweisen. Da die Ausscheidung dieser Dauerstadien in der Regel nur über etwa 14 Tage erfolgt, ist ein negatives Untersuchungsergebnis jedoch keinesfalls der Beweis, daß die Katze toxoplasmosefrei ist. Finden sich Oozysten im Kot der Katze, sollte sie umgehend mit Medikamenten behandelt werden, die die Oozystenausscheidung eindämmen. Eine erfolgte Infektion mit Toxoplasma gondii ist weiterhin über den Nachweis der von der Katze gebildeten Antikörper im Blut feststellbar. In Mitteleuropa sind 20-90% der Katzen Antikörper-positiv, haben sich also in ihrem Leben bereits mit dem Erreger auseinandergesetzt. Allerdings erlaubt dieser Test keine Aussage darüber, ob und wann das Tier Oozysten ausscheidet und somit ein Infektionsrisiko für den Menschen darstellt.

Die Infektion des Menschen und ihre Folgen

Der Mensch infiziert sich durch Verzehr von zystenhaltigem rohen Fleisch (u. a. Schweinefleisch) oder die Aufnahme von Oozysten. Eine direkte Infektion des Menschen durch Kontakt zu einer Katze ist sehr unwahrscheinlich, da nicht damit zu rechnen ist, daß infektionstüchtige Oozysten am Fell haften. Ein hohes Risiko besteht dagegen bei Kontakt mit Erde, in der von Katzen abgesetzte Oozysten sehr lange überleben. Bei gesunden Personen mit einem funktionsfähigen Abwehrsystem verläuft die Infektion meist unbemerkt, zum Teil treten leichtes Fieber, Abgeschlagenheit, Muskel- oder Leibschmerzen auf. Abwehrgeschwächte Menschen (z. B. Aids-Patienten) zeigen dagegen auch schwere Krankheitsformen mit einer Vielzahl vor Symptomen. Eine dritte Infektionsmöglichkeit für Toxoplasmose ist die Übertragung des Erregers auf das Ungeborene im Mutterleib. Sie kann nur dann stattfinden, wenn sich eine Frau während der Schwangerschaft zum ersten Mal mit dem Toxoplasmoseerreger infiziert. Mögliche Folgen sind Abort, Totgeburt, eine schwere Erkrankung des Neugeborenen oder eine zunächst symptomlose Infektion des Kindes, die erst nach Monaten oder sogar Jahren durch Schäden am Zentralnervensystem oder den Augen in Erscheinung tritt. Ein Bluttest auf Antikörper gegen Toxoplasmen vor der Schwangerschaft gibt Aufschluß darüber, ob die Frau schon einmal in ihrem Leben eine Toxoplasmose durchgemacht hat und ihr Kind somit geschützt ist. Ist dieser Test negativ, sollte die werdende Mutter besonders auf vorbeugende Maßnahmen achten (siehe unten). Wird bei einer Schwangeren durch eine Blutuntersuchung eine frische Toxoplasmoseinfektion nachgewiesen, können die Schäden für das Kind durch eine rechtzeitige Behandlung mit Medikamenten verhindert oder begrenzt werden.

Wie kann man vorbeugen?
Unter Berücksichtigung des Entwicklungszyklus des Parasiten und der Infektionsmöglichkeiten ergeben sich einige Vorbeugemaßnahmen:

          nach Dr. med. vet. Gisela Jöhnssen                              

(Quelle : http://www.hkcev.de)