Quelle :  http://www.catgirly.de

Hilfe, meine Katze hat FIP

Diesen Ausspruch lese ich leider immer wieder und immer häufiger im Internet in Katzenforen und Mailinglisten. Trotz dass es im Internet sehr viele Informationen gibt, sind diese Katzenbesitzer oft erst einmal verständlicherweise so in Panik, dass sie aus den vielen Informationen nicht schlau werden oder viele Fragen auch unbeantwortet bleiben. 

Ich möchte hier auch noch einmal versuchen zusammenzufassen, was ich mir über diese Krankheit angelesen und auf Tierarztvorträgen durch Experten (z.B. Marian Horzinek oder Prof. Dr. Hans Lutz) angehört habe. Die Informationen sind noch nicht vollständig, aber ich werde mich weiter informieren und an dieser Seite arbeiten!

Ich selbst bin auch gezwungen gewesen, mich mit dieser Krankheit auseinander zu setzen, da ich selbst eine Katze verloren habe und es hier durch nicht genug informierte Tierärzte zuerst zur Fehldiagnose "FIP" kam. Auch mein Kater Simba sollte wegen eines Coronavirentiters von 1:400 eingeschläfert werden. Simba lebt noch heute und ist ein ganz normaler, gesunder Kater. 

Gravierender Unterschied zwischen Coronavirus-positiv und Ausbruch der FIP

Ganz wichtig ist es, dass, wenn der Tierarzt sagt: Ihre Katze hat FIP, zu unterscheiden, ob die Katze nur einen Coronaviren-Titer hat (z.B. 1:400 oder 1:800 oder höher) oder ob die Katze wirklich alle Anzeichen der Krankheit aufweist.

Ein positiver Coronaviren-Titer bei einer Katze sagt nur aus, dass die Katze irgendwann einmal mit dem Virus in Kontakt kam und nun Antikörper gebildet hat. Diese Antikörper "bilden" den sog. Coronaviren-Antikörpertiter. 

Coronaviren können bei der Katze FIP oder eine harmlose, klinisch nicht behandelbare, Darminfektion verursachen. Früher dachte man, dass es sich um zwei verschiedene Coronaviren handeln würde, das "feline enterale Coronavirus" (FECV) und das "FIP-Virus" (FIPV). Inzwischen weiss man, dass das FIPV spontan durch Mutation des FECV entsteht. Daher verwendet man heute nur noch die Bezeichnung "felines Coronavirus" (FCoV) für alle bei der Katze vorkommenden Coronaviren. 

Ansteckung

FCoV kommt weltweit bei Haus- und Wildkatzen vor. Das Virus wird vor allem dort "verteilt" wo viele Katzen unter einem Dach leben (z.B. Zuchten, Tierheime, Tierpensionen, Mehrkatzenhaushalte). Dies wird sich niemals vermeiden lassen, denn es gibt einfach zu viele Katzen auf dieser Welt. 

Die Krankheit FIP tritt auf, wenn eine Katze Varianten des FCoV ausgesetzt ist, die mutiert sind und damit die Fähigkeit erlangt haben, sich im Körper der Katze zu vermehren, zu verändern und FIP zu verursachen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat die Katze kein FIP sondern lediglich einen Antikörpertiter der aussagt, dass die Katze in ihrem Leben einmal Kontakt mit Coronaviren hatte und dass das Immunsystem gut in der Lage war, Antikörper gegen das Virus zu bilden. 

Es ist leider bisher noch nicht möglich, durch Blut- oder Kotuntersuchungen das Virus oder die mutierte Form des FCoV zu bestimmen und damit eine 100%ige Aussage zu treffen, ob die Katze nun an FIP erkranken wird bzw. erkrankt ist oder nicht.

Übertragung

Die felinen Coronaviren (FCoV) werden sowohl von Katzen ausgeschieden, die an FIP erkrankt sind, als auch von Katzen, die nicht erkrankt sind. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Definitiv scheiden Katzen das Virus aus, wenn sich der Körper in der Mutationsphase befindet (heisst, wenn eine Katze Varianten des FCoV ausgesetzt ist, die mutiert sind und damit die Fähigkeit erlangt haben, sich im Körper der Katze zu vermehren, zu verändern und FIP zu verursachen). 

Die Mutationsphase kann Wochen oder Monate andauern, bevor der Besitzer erst die Anzeichen der FIP bei der Katze erkennen könnte (Apathie, antibiotikaresistentes Fieber, Appetitmangel und evtl. Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum). Während dieser Zeit (Wochen bzw. Monate) scheidet die Katze vermehrt das FCoV aus. Man hat herausgefunden, dass zu Anfang der Mutation wenig Coronaviren ausgeschieden werden und je mehr es dem "Ende" zugeht, die Ausscheidung der Coronaviren zunimmt.

 Eine andere, z.B. eine mit im Haushalt lebende Katze, ist also den Viren schon lange ausgesetzt, bevor der Besitzer überhaupt merkt, dass vermehrt Coronaviren ausgeschieden werden. Oft denken Katzenbesitzer, sie könnten die Zweitkatze nun durch eine Impfung schützen oder durch räumliche Trennung bis zum Tod der Erstkatze die Zweitkatze noch schützen. Auch sehr viele Tierärzte sind auf diesem Gebiet nicht (gut) genug informiert. Alle Massnahmen, die bei der Zweitkatze unternommen werden, um sie nun "zu schützen" werden im besten Fall gar nichts bringen und im schlechtesten Fall der Zweitkatze schaden. Dies wird an anderer Stelle aber noch mal erläutert.

Coronaviren sind chloroform, hitze-, pH- und ätherlabil. Einige Coronaviren-Stämme können jedoch nach Antrocknen an der Oberfläche drei bis sieben Wochen lang bei Raumtemperatur infektiös bleiben. Deshalb können diese Viren auch indirekt über Kleidungsstücke übertragen werden. Man sollte sich hier aber nicht verrückt machen. Wenn man das tut, darf man nie mehr aus dem Haus gehen und keinen Besuch empfangen, um die Gefahr zu minimieren. Übertragen wird in jedem Fall nur das "normale" FCoV und nicht das mutierte Virus! Nur wenn das Virus beispielsweise aus Ergussmaterial entnommen werden würde und anschließend einer anderen Katze mittels Injektion verabreicht werden würde, entwickeln die Katzen ebenfalls FIP.

Mutation

Ca. 80% aller Katzen aus Populationen (Tierheime, Zuchten, Tierpensionen, Mehrkatzenhaushalte) haben einen Coronavirentiter und damit schon einmal Kontakt mit dem FCoV gehabt. 

Nur bei 5% dieser Katzen mutiert das Virus und die Katzen erkranken an FIP. Diese Erkenntnis ist in meinen Augen sehr wichtig. Ich denke, auch aus eigener Erfahrung, dass mindestens 50% aller wegen FIP eingeschläferter Katzen gar nicht an FIP erkrankt waren. Dies kann ich natürlich nicht beweisen. Aber wenn man bedenkt, dass zwei meiner Katzen wegen angeblicher FIP eingeschläfert werden sollten und gar nicht daran erkrankt waren, kann man verstehen, warum ich von einer solch hohen Prozentzahl ausgehe. 

Ob eine Mutation stattfindet oder nicht, scheint von der Virusreplikationsrate und damit von mehreren Faktoren abzuhängen: Virusstamm, Alter und Immunitätsstatus der Katze, vorausgegangene Stress-Situationen, Rassedisposition (Genetik). Eines ist jedoch als sicher anzusehen: Ist die Katze bereits durch eine andere Erkrankung geschwächt (Erkrankungen des Immunsystems, FIV, FeLV, vorangegangene Impfungen egal ob gegen Schnupfen/Seuche oder andere Krankheiten), wird die Mutation des FCoV dadurch begünstigt.

Diagnose

Unabdingbar ist die Blutuntersuchung und zwar nur einem Labor und niemals in der TA-Praxis, da es kaum Praxen gibt, die die bei FIP überaus wichtige Elektrophorese durchführen können. Und die braucht man unbedingt, um evtl. eine Aussage treffen zu können.

Folgende Parameter sind bei FIP verändert:

Hämatokrit erniedrigt
Erythrozyten erniedrigt
Hämoglobin erniedrigt
Lymphozyten erniedrigt
Stabkernige erhöht (Kernlinksverschiebung)
Bilirubin erhöht
ALT (GPT) erhöht
Gesamteiweiss (TP) - erhöht, aber meist die Gamma-Globulinfraktion
A/G-Quotient < 0,6
Thrombozyten erhöht - im Endstadium

Nur wenn zusätzlich zum Coronaviren-Antikörpertiter diese Blutwerte verändert sind, kann man FIP vermuten.

Coronaviren-Antikörpertiter

Titer < 1:100
FIP unwahrscheinlich

Titer 1:100 und 1:400 wenn mehr als 4 Blutparameter erfüllt sind ist FIP wahrscheinlich, sonst unwahrscheinlich

Titer > 1:400 wenn mindestens 3 Blutparameter erfüllt sind ist FIP wahrscheinlich, sonst unwahrscheinlich

Die Diagnose einer zurückliegenden Coronavirusinfektion ist einfach durch den Nachweis von Coronavirus-Antikörpern im Blut. Die Diagnose von FIP (und damit ist der Ausbruch der Krankheit gemeint), einer aktuellen Darminfektion oder eines Virusträgerstatus kann sehr schwierig sein. 

Da die Untersuchungen, die aus Punktat durchgeführt werden können, wesentlich besser sind als alle aus Blut möglichen Untersuchungen, muss bei FIP-Verdacht immer die erste Fragestellung sein, ob ein Erguss vorhanden ist oder nicht. Trotzdem sollte unbedingt zusätzlich zur Punktatuntersuchung ein sog. "FIP-Screening" erfolgen. 

Bei der Blutuntersuchung sind die charakteristischsten Werte eine Erhöhung der gamma-Globuline, eine Erniedrigung des A/G-Quotienten und eine Erhöhung des Gesamteiweiss. Die Spezifität (Aussagekraft) dieser Werte liegt bei über 90%. Trotzdem muss bedacht werden, dass selbst sehr hohe Gesamteiweisswerte und sehr hohe Gamma-Globulinwerte auch bei Katzen mit chronischen Entzündungen und chronischem Katzenschnupfen auftreten können. 

Bei der Punktatuntersuchung ist es ganz wichtig, dass das Punktat nicht nur dem äusseren Anschein nach beurteilt wird, da nur etwa 50% aller Katzen mit Erguss an FIP erkrankt sind. Andere Erguss-Ursachen können sein: malignes Lymphom, Herzinsuffizienz, bakterielle Serositis (umfasst z.B. Rippenfellentzündung, Bauchfellentzündung). Diese Entzündungen sind bakterieller Natur und dann mit Antibiotika behandelbar! 

Die einfachste Möglichkeit, in der Praxis bei Katzen mit Erguss eine FIP mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit nachzuweisen, ist die Rivalta-Probe. Sie erfordert weder aufwendige Geräte noch teure Reagenzien. Dazu wird ein Reagenzglas zu drei Vierteln mit destilliertem Wasser gefüllt, ein Tropfen Eisessig dazugegeben und vorsichtig gemischt. Dann gibt man einen Tropfen Punktat in die Lösung. Löst sich der Tropfen auf, ist die Probe negativ. Bleibt der Tropfen bestehen und schwebt langsam nach unten oder bleibt sogar an der Oberfläche hängen, ist die Probe positiv. Bei einem negativen Ergebnis ist die FIP mit grosser Sicherheit auszuschließen, bei einer positiven Rivalta-Probe handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um FIP.

Ein gutes Fachbuch für Tierärzte schreibt auch, dass in unklaren Fällen weiterhin evtl. Probelaparatomien erfolgen und Organbiopsien histologisch und eventuell immunhistochemisch untersucht werden sollten, um eine sichere Diagnose zu stellen (das bedeutet, dass der Katze unter Narkose Gewebe entnommen wird und dann in einem Labor untersucht wird) (dazu möchte ich jedoch keine Empfehlung abgeben). 

Therapie

Ist die FIP einmal ausgebrochen, kann man leider nichts mehr tun. Versuche mit der gleichzeitigen Gabe von Interferon und Cortison haben gezeigt, dass es in manchen Fällen zwar lebensverlängernde Wirkung hat, aber es verlängert das Leiden nur um höchstens 14 Tage. 

Vorsorge

Oftmals erhofft man vielleicht bei einem Coronaviren-positiven Tier durch Beeinflussung des Immunsystems einen positiven Effekt zu erzielen und dadurch die Mutationsgefahr eindämmen zu können. Leider ist dem nicht so.

Denn eine Stärkung des Immunsystems (Paramunisierung z.B. mit Baypamune) wird inzwischen nicht mehr empfohlen, da weitere Koppelungen des Virus an Abwehrzellen angeregt und so "schlafende Hunde" geweckt werden.

Hierzu sollte man folgendes wissen (ich möchte versuchen, es nicht "hochwissenschaftlich" zu erklären):

Wichtig ist, dass bei einem Ausbruch zwei Zellen des Immunsystems Besonderheiten aufweisen und zwar die B- und T-Zellen der Lymphozyten. Bei einem Ausbruch steigt die Aktivität der B-Zellen an und die Aktivität der T-Zellen fällt. Durch die Gabe von Interferon wird die Aktivität der T-Zellen angeregt. Durch die Gabe von Cortison die Aktivität der B-Zellen vermindert. Damit hat man, wie bereits beschrieben, nun also versucht, FIP (ohne Erfolg) zu heilen.

Bei dem gesunden Immunsystem der Katze, ohne Anzeichen einer Mutation, sind diese B- und T-Zellen in ihrer Aktivität in einem gesunden Gleichgewicht. Regt man nun bei einer gesunden Katze (die lediglich einen Coronavirus-Antikörpertiter aufweist) das Immunsystem an, kann es passieren, dass man die B- und T-Zellen aus dem Gleichgewicht bringt und damit eine Mutation begünstigen könnte.

Wenn man also nun schon das Immunsystem zur eigenen Beruhigung stärken möchte, würde ich dazu tendieren, nur die T-Zellen anzuregen. Meines Wissens nach gibt es hier nur zwei Alternativen: 

Die erste Alternative ist das feline Interferon. Da mir persönlich dieses Medikament noch zu unerforscht ist, würde ich es nicht einsetzen. 

Die zweite Alternative ist das homöopathische Medikament "Neythymun oral". Dieses Mittel unterstützt ebenso wie das Interferon die T-Zellen des Immunsystems. 

Das muss allerdings jeder Katzenbesitzer für sich entscheiden. Ich finde jedoch, dass man das Immunsystem der Katze eher nicht unterstützen sollte, denn jede Unterstützung kann zur Folge haben, dass das Immunsystem aus dem Gleichgewicht kommt und so eine evtl. Mutation unterstützt wird. 

Impfung

Eine Frage sollte man anfangs erst einmal stellen und die Antwort darauf ist die in meinen Augen wichtigste in Bezug auf die Impfung gegen FIP: Kann die Impfung angesichts der hohen Durchseuchung mit Corona überhaupt etwas bringen? Professor Niels Pedersen äußerte sich dazu in Düsseldorf, und zwar sehr klar: "Die FIP-Impfung ist absolut harmlos, sie bringt den Tierärzten und der Pharmaindustrie Geld und sie hat keinen Sinn." 

Trotzdem möchte ich auch hierzu noch ein paar Sätze sagen. Sollte man unbedingt impfen wollen, müssen unbedingt ein paar Dinge beachtet werden: 

Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Impfungen. Bei Katzen unter 16 Wochen sollte die Impfung nicht eingesetzt werden. Die Katzen sollten aber auch nicht älter sein als 16 Wochen. Die Zweitimpfung sollte im Alter von 20 Wochen erfolgen. Danach ist eine jährliche Boosterimpfung notwendig. 

Grundsätzlich sollte niemals eine Impfung ohne vorherigen Test erfolgen. Hierbei ist zu beachten, dass die Tests mit extremer Vorsicht interpretiert werden sollten. Die Menge nachweisbarer Antikörper gegen FCoV, die im Blut einer Katze zirkulieren, korreliert nicht mit dem evtl. Krankheitsbild. Sind keine Antikörper vorhanden, schließt das eine Infektion mit FCoV nicht aus (manchmal hat eine Katze soviel Antigen im Blut, dass alle Antikörper gebunden sind und keine freien Antikörper zum Nachweis übrig bleiben). Das bedeutet, dass ein "Null-Titer" eigentlich auch gar nichts aussagen kann. 

Auf keinen Fall sollten Katzen in einem Haushalt geimpft werden, in dem kurz vorher ein Tier an FIP erkrankt ist. Auch nicht geimpft werden sollten Katzen, die einem hohen Infektionsdruck ausgesetzt sein könnten (evtl. durch bereits mit dem FCoV-infizierte Katzen im gleichen Haushalt). 

In einer in 2002 durchgeführten Studie der Universität Giessen hat sich gezeigt, dass gegen FIP geimpfte Katzen, die einem hohen Infektionsdruck ausgesetzt wurden, eher an FIP erkrankten, als Katzen, die keinen Impfschutz hatten. 

In drei älteren Studien wurden in Bezug auf die Wirksamkeit verschiedene Ergebnisse erzielt: 

Studie in 1991: Wirksamkeit der Imfpung 80%
Studie in 1994: Wirksamkeit der Impfung 50%
Studie in 1995: keine Wirksamkeit

Umgang mit FCoV-infizierten Katzen

Viele Katzen sind in der Lage, eine FCoV-Infektion zu eliminieren und infolge wieder Antikörper-negativ zu werden (aber auch dann sollte man nicht impfen, die Impfung macht wenn überhaupt nur Sinn, wenn die Katze noch niemals das Virus gesehen hat). Dies kann allerdings Monate bis Jahre dauern und ist nicht so sehr häufig anzutreffen. 

Hat man nun also eine Katze mit einem Coronaviren-Antikörpertiter sind ein paar Dinge zu beachten. Man sollte aber nicht vergessen, dass die Katze gesund und nicht krank ist und sie auch genauso zu behandeln: als gesunde Katze. Denn Katzen spüren, wenn der Besitzer in Panik ausbricht und reagieren oftmals empfindlich auf solche "geistigen" Signale der Besitzer.

Weiterhin sollte Stress vermieden werden (z.B. Operationen, Trächtigkeit, Dauerrolligkeit, Impfungen, Besitzerwechsel) und die Gabe von Kortison (zur Erinnerung: Kortison senkt die Aktivität der B-Zellen des Immunsystems und bringt so das Gleichgewicht durcheinander).

Fragen und Antworten

Grundsätzlich muss natürlich ein Tierarzt befragt werden. Leider stelle ich selbst immer und immer wieder fest, dass gerade in Bezug auf FIP bei den Tierärzten noch immer zuviel Unwissenheit vorherrscht, wohl auch deshalb, weil auch die Wissenschaft hier immer noch keinen nennenswerten und grossen Fortschritt macht. Ich möchte hier an dieser Stelle einfach ein paar Fragen aus meiner Sicht und mit den mir vorliegenden Daten beantworten, die im Internet immer wieder auftauchen. Sicher wird dies der ein oder andere vielleicht etwas anders sehen, aber FIP ist eben eine Krankheit, bei der viele Fragen nicht 100%ig beantwortet werden können - aus Sicht der Wissenschaft, der Tierärzte und der Laien ...

Ich habe eine Katze an FIP verloren, wird nun auch die Zweitkatze erkranken und kann ich noch etwas tun, um sie nun vor der Mutation des Virus zu schützen?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird bei der Zweitkatze das Virus nicht mutieren, denn es ist äusserst selten, dass in einem Haushalt zwei Katzen in Folge an FIP erkranken und sterben.

Ob nun eine Katze gerade an FIP erkrankt ist oder nicht: Der allgemeine Forschungsstand sagt aus, dass mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit lediglich das FCoV und nicht das mutierte Virus übertragen wird - entweder per Tröpfcheninfektion aber in der Hauptsache durch den Kot. Die Wissenschaftler sind noch nicht 100%ig sicher, aber es bleibt also eher eine minimale Wahrscheinlichkeit, dass das mutierte Virus übertragen wird. Prof. Dr. Hans Lutz sagte im Vortrag am 19.11.2003 am Paul Ehrlich Institut in Langen, dass diese Wahrscheinlichkeit so gut wie gar nicht vorhanden sei. In deren Augen ist es dann nicht das mutierte Virus sondern ein anderer Stamm der Coronaviren. Wäre die Wahrscheinlichkeit der Übertragung des mutierten Virus sehr hoch, würde es wohl nur noch halb soviele Katzen auf der Welt geben.

Wir wissen ja nun, dass das FCoV meistens dann mutiert, wenn das Immunsystem der Katze geschwächt ist. Das muss ein Besitzer nicht einmal vorher merken. Und bis es der Besitzer merkt, liegt lt. Lutz das Ereignis meistens schon mehrere Wochen bis Monate zurück. Sei es nun ausgelöst durch schlimme Erkrankungen wie Leukose oder FIV, kann es ja bekanntlich auch jedweder Stress sein und dazu zählen auch unbedingt Impfungen z.B. gegen Schnupfen oder Seuche. Es gibt unendlich viele Stress-Situationen für eine Katze, alles was das Immunsystem durcheinander bringt. Gerade die Lymphozyten reagieren sofort auf Immunstimulanz oder Immunsuppression. Geraten die B- oder T-Zellen aus dem Gleichgewicht, kann dies zur Mutation des FCoV führen. Nicht jede Katze hat ein gleich gut ausgeprägtes Immunsystem.

Hat man nun eine Katze, bei der das FCoV mutiert, wird während dieser Phase das Virus millionenfach über den Kot ausgeschieden. Die mit im Haushalt lebenden Katzen werden nun also mit dem Viruskontakt überhäuft. Der Besitzer merkt ja nun erst Wochen oder Monate später dass eine FIP-Erkrankung vorliegt. Bis dahin können die anderen Katzen ja zwischendurch mal geimpft worden sein, haben vielleicht eine kleine Erkältung oder Stress gehabt und sind nun dadurch geschwächt. Bei einem kleinen Prozentsatz dieser Katzen mutiert nun leider auch bei ihnen das Virus. Da aber auch dieser Prozess wieder Wochen oder Monate dauern kann, stirbt diese Katze eben auch wieder um einiges später an FIP als die erstverstorbene Katze.

Das heisst aber nicht , dass das mutierte Virus übertragen wurde, sondern dass die Zweitkatze nur einfach nicht mit dem millionenfachen Kontakt "klar" gekommen ist.

Dagegen werden Besitzer niemals etwas tun können. Selbst wenn man mal etwas findet, was das Immunsystem genau dahingehend stärken könnte .... bis man es an der Erstkatze merkt, fand die Ausscheidung in hohem Maße ja bereits statt und bei der Zweitkatze kann es schon zur Mutation gekommen sein. Selbst wenn mal was gefunden wird, was man vorbeugend geben kann, wenn man herausfindet dass die Katze nun erstmal mit dem harmlosen FCoV in Kontakt kam, würde ich mir doch immer überlegen, ob ich einer noch jungen Mieze ihr Leben lang prophylaktisch irgendwelche Medikamente geben würde ... Schließlich liegt die Gefahr, dass eine Katze wirklich an FIP erkrankt "nur" bei 5% (also bei 5% aller mit dem FCoV infizierten Katzen mutiert das Virus). Einer Katze jedoch prophylaktisch ein Medikament zu geben und ihre Selbstheilungskräfte dadurch runter zu fahren, weil es eben von aussen unterstützt wird, würde ich mir von daher genau überlegen ....

Sollte die Zweitkatze nun schnellstmöglich gegen FIP geimpft werden?

Nein, auf gar keinen Fall. Wie in der vorangegangenen Frage bereits erklärt, ist die Zweitkatze mit hoher Wahrscheinlichkeit nun sowieso mit dem FCoV in Kontakt gekommen. Nun macht es überhaupt keinen Sinn, die Katze auch noch dem Impfstress auszusetzen. Ihr Immunsystem hat nun sowieso schon genug zu tun und die Impfung, wenn sie denn wirklich einen Schutz bietet was ich ja bezweifele, kann nun ja ihren Zweck nicht mehr erfüllen. Im schlimmsten Fall kann sie nun absolut schaden.

Selbst wenn nun ein sofortiger Bluttest veranlasst wird, kann es sein, dass die Zweitkatze keinen Coronavirus-Antikörpertiter aufweist. Ich zitiere noch einmal den Text zum Thema Impfungen: Hierbei ist zu beachten, dass die Tests mit extremer Vorsicht interpretiert werden sollten. Die Menge nachweisbarer Antikörper gegen FCoV, die im Blut einer Katze zirkulieren, korreliert nicht mit dem evtl. Krankheitsbild. Sind keine Antikörper vorhanden, schließt das eine Infektion mit FCoV nicht aus (manchmal hat eine Katze soviel Antigen im Blut, dass alle Antikörper gebunden sind und keine freien Antikörper zum Nachweis übrig bleiben). Und das könnte bei der Zweitkatze der Fall sein, da sie ja einem enormen Virus-Druck ausgesetzt war, da die verstorbene Katze während der Mutationsphase millionenfach Viren ausgeschieden haben kann. Das bedeutet, dass ein "Null-Titer" eigentlich auch gar nichts aussagen kann und deshalb sollte man unbedingt von der Imfpung absehen.

Impfen bedeutet Stress und Stress sollte nun bei der Zweitkatze absolut vermieden werden (dazu gehören auch andere Impfungen wie Seuche/Schnupfen, Leukose oder Tollwut). Impfungen sollten nun generell abgewägt werden.

Wenn das Coronavirus im Körper der Katze zur gefährlichen Form mutiert ist, (durch Stress, oder warum auch immer) ist die erkrankte (oder auch NOCH nicht erkrankte) Katze dann Überträger/Ausscheider dieser gefährlichen Form der Viren?

Wie so vieles bei FIP ist dies auch noch nicht 100%ig bewiesen. Die Wissenschaftler gehen aber mit grosser Wahrscheinlichkeit davon aus, dass zwar während der Mutationsphase eine Katze gesteigert Viren ausscheidet über den Kot (heisst am Anfang sind es einigen Viren und kurz vor dem Ausbruch sind es Millionen von Viren), aber dass sich eine mit im Haushalt lebende Katze "nur" mit dem normalen Virus auseinandersetzt und nicht mit der mutierten Form.

Sicher ist, wenn man einer Katze Flüssigkeit aus dem Bauch entnehmen würde und dies einer andere Katze spritzt, bekommt sie dadurch auch die mutierten Viren und stirbt auch an FIP.

Aufgrund der Forschungen und Erfahrungen, dass in einem Haushalt fast niemals zwei Katzen wirklich an FIP sterben, kann man schon fast mit Sicherheit davon ausgehen, dass sich eine mit im Haushalt lebende Katze zwar mit dem Coronavirus infiziert (und dann hoffentlich Antikörper bildet, wenn nicht, bedeutet das nämlich auch, dass das Immunsystem evtl. nicht gut genug funktioniert), aber nicht an dem mutierten Virus ansteckt.

Also ich persönlich hätte grosse Bauchschmerzen, wenn eine Katze an FIP gestorben ist und die anderen einen Nulltiter bei den Coronaviren hätte. Für mich würde das bedeuten, sie hat sich nicht damit auseinander gesetzt, das Immunsystem ist schwach und ich hätte in dem Fall viel grössere Angst sie zu verlieren (vielleicht nicht an FIP aber an einer anderen Erkrankung). Wobei man auch hier unterscheiden muss, wann die Blutuntersuchung erfolgte. Ich persönlich würde prophylaktisch den Titer bei der Zweitkatze sowieso nicht testen lassen, denn was soll ich dann mit dem Wissen machen?

Ab welchem Titer steigt das Risiko so an, dass man sagen kann, ein Ausbruch der FIP ist bei dem hohen Titer wahrscheinlicher?

Der Titer sagt ja erst mal einfach nur aus, dass die Katze einmal mit dem FCoV in Kontakt kam und dass das Immunsystem der Katze Antikörper gegen Coronaviren gebildet hat.

Die Höhe des Titers scheint mir nicht besonders aussagekräftig zu sein. Hoher Titer kann heissen: viele Coronaviren, aber auch: starkes Immunsystem. Über die Wahrscheinlichkeit, daß die Katze auch an FIP erkrankt, sich also die Mutation der Viren im Körper vollzieht, sagt der Titer in meinen Augen gar nichts aus (es sei denn, die Katze befindet sich gerade in der Mutationsphase).

Und wie hoch dieser Titer dann im besten Fall sein sollte? Ich weiss es nicht, wobei mein persönlicher "Traumtiter" bei 1:400 liegt, heisst, es wurden Antikörper gebildet aber das Immunsystem läuft nicht auf Hochtouren um noch mehr Antikörper zu bilden. Allerdings haben zwei meiner Katzen einen Titer von 1:800 und sind gesund. Die anderen beiden Katzen sind nicht getestet, aber ich gehe doch stark davon aus und hoffe es auch, dass auch sie einen Titer haben.

Was heisst "Early Weaning" und wie ist der Stand in Deutschland?

Da neugeborene Katzenwelpen in den ersten 5 Wochen ihres Lebens durch die Muttermilch geschützt werden, werden für die trächtigen Mütter kurz vor der Geburt sogenannte "SPF - Zimmer" eingerichtet, in denen peinlich genaue Hygienevorschriften strengstens und immer ( !!) beachtet werden. Es darf nur von einer einzigen Person betreten werden, die zudem immer penibel saubere, gewechselte Kleidung trägt (kein Kontakt mit den anderen Katzen des Bestandes!). Außerdem müssen bei jedem Betreten die Schuhe und die Hände desinfiziert werden.

Nach 5 Wochen werden die Welpen abgesetzt und die Mutter, die ja FCoV - Trägerin ist, wird zurück in den Bestand gebracht. Die Babys hingegen bleiben weiterhin auf der Isolierstation, wo sie ohne das Virus bis zur 16. Woche großgezogen werden. In der 16. Woche werden sie dann geimpft gegen FIP. 

Prof. Dr. Lutz sagte auf dem Vortrag am 19.11.2003 am Paul Ehrlich Institut folgendes dazu:

Bei einer in Deutschland durchgeführten Studie war das Verfahren nicht erfolgreich. Er wüsste nicht, warum es angeblich in England funktioniert. Hier würde es nicht funktionieren.

Können auch gegen FIP geimpfte Katzen an FIP erkranken?

Ja. Und wenn eine Katze noch dazu vorher schon einmal Kontakt mit Coronaviren hatte, ist das Erkrankungsrisiko noch höher. In einer Studie wurden die Katzen nach Titerbestimmung geimpft. Folgendes Ergebnis lieferte die Studie:

Katzen mit Titer < 1.25 wurden geimpft: Sterberate trotz Impfung während der Studie: 3,3%

Katzen mit Titer =1:100 oder höher: Sterberate trotz Impfung während der Studie: 10,7%

 

Informative Seiten zum Thema FIP:

http://www.dr-addie.com/German/PreventionS1gr.htm

http://www.odo.in-berlin.de/mini-FIP-FAQ.html

http://people.freenet.de/sindern/immunschwaeche.html

http://www.laboklin.de/l_aktuel/lbi9702.htm

http://www.maine-coon.ch/fip.htm

http://bibd.uni-giessen.de/ghtm/2002/uni/d020045.htm

Artikel (Teil 1, Teil 2, Teil 3)

Genetik - Beobachtungen von Züchtern